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Starker Rücken, freie Bewegung, jeden Tag.

Eine Kolumne von Jörn Röttger

Meldung

Warum ein einfacher Ausfallschritt Rückenschmerzen lindern kann

Laut einem Bericht von NBC 7 San Diego nennt die US-Physiotherapeutin Karena Wu eine einfache Übung als ihren Favoriten gegen chronische Lendenwirbelsäulen-Beschwerden: einen Ausfallschritt mit Fokus…

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 23. September 2026

Warum ein einfacher Ausfallschritt Rückenschmerzen lindern kann

Die Knöchel-Lüge im Rücken

Laut einem Bericht von NBC 7 San Diego nennt die US-Physiotherapeutin Karena Wu eine einfache Übung als ihren Favoriten gegen chronische Lendenwirbelsäulen-Beschwerden: einen Ausfallschritt mit Fokus auf die Sprunggelenksmobilität. Klingt erstmal banal, ist aber therapeutisch durchaus relevant.

Was die Übung macht

Wu stellt einen Fuß vor den anderen, hüftbreit, und beugt das vordere Knie nach vorn. Der Hintere bleibt fest am Boden, das vordere Knie soll ungefähr vier Zoll über die Zehen wandern können. Ziel ist nicht der Quadrizeps – Ziel ist das obere und untere Sprunggelenk.

Wer hier nicht ausreichend Dorsalextension hat, kompensiert das weiter oben: Becken kippt nach hinten, LWS roundet, Facettengelenke werden komprimiert. Genau das sehen wir tagtäglich in der Praxis. Verspannte Waden, blockierte Fußwurzeln, ein eingeschränkter Deep Squat – und der Patient sitzt irgendwann mit pseudoradikulären Beschwerden in unserer Anmeldung.

Warum das mehr ist als Wellness

Die Zahlen aus der zitierten Studie sprechen für sich: 619 Millionen Menschen mit Rückenschmerzen im Jahr 2023, prognostiziert 843 Millionen bis 2050. Das ist kein Lifestyle-Thema, das ist Massenphänomen. Und wir Therapeuten wissen: Die Ursache sitzt selten dort, wo es wehtut.

Wu bringt es auf den Punkt – die Kette von Sprunggelenk bis LWS funktioniert nur, wenn das untere Ende frei beweglich ist. Wer mobilisiert, schaltet die Bremse weiter oben aus. Kein Wundermittel, aber ein ehrlicher erster Schritt.

Was wir in der Praxis draus machen

Drei Punkte, die ich Kollegen ans Herz lege:

  • Testen, nicht glauben. Lassen Sie den Patienten in den Ausfallschritt gehen. Vier Zoll Knie vor den Zehen – das ist grobe Orientierung, kein Dogma. Wer zwei Zentimeter schafft, hat seinen Befund.
  • Sprunggelenk vor Kräftigung. Viele Patienten kommen mit dem Wunsch nach „Core-Training“ und Rückenmuskulatur-Aufbau. Bevor wir Mühe in die Kräftigung stecken, sollte die Mobilität passen. Sonst trainieren wir Kompensation.
  • Heilverordnung nutzen. Gerade bei chronischen LWS-Beschwerden ohne Red Flags ist manuelle Therapie plus aktive Übung das Mittel der Wahl – nicht passives Liegen auf der Liege.

Unser Fazit

Kein Zauber, keine neue Evidenz-Revolution, aber ein sauberer Praxis-Hinweis aus der US-Szene: Wer den Fuß vergisst, behandelt den Rücken halb. Wir Therapeuten kennen das. Setzen wir es um – jeden Tag, am Patienten, in der eigenen Routine.