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Eine Kolumne von Jörn Röttger

Triggerpunkte im Nacken: Meine Erfahrung mit dem Dauerschmerz

Nackenschmerzen bleiben selten dort, wo sie entstehen. Ein gereizter oberer Trapezmuskel kann Schmerzen in den Hinterkopf, die Schläfe oder sogar bis in die Stirn weiterleiten.

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·Aktualisiert: 08. August 2026·13 Min. Lesezeit

Triggerpunkte im Nacken: Meine Erfahrung mit dem Dauerschmerz

Für Patienten fühlt sich das dann nicht mehr nach einem verspannten Muskel an, sondern nach Kopfschmerz, Druck hinter den Augen oder einem schweren, dumpfen Schädel.

Genau hier beginnt die Verwirrung. Viele Menschen suchen nach einer schnellen Methode, um Triggerpunkte im Nacken zu lösen. Die Triggerpunkttherapie bei Nacken- und Kopfschmerzen kann dabei sinnvoll sein. Sie ist aber kein magischer Ausschalter. Manuelle Behandlung kann die Belastbarkeit verbessern und Schmerzen dämpfen. Wenn danach wieder stundenlang am Laptop gearbeitet, kaum geschlafen und jede Bewegung vermieden wird, kommt der Schmerz meist zurück. Der Muskel ist nicht beleidigt. Er bekommt schlicht dieselbe Belastung erneut.

Die Anatomie des Schmerzes: Warum der Nacken in den Kopf ausstrahlt

Im Nacken sitzen mehrere Muskeln, die bei der Entstehung von Spannungskopfschmerzen eine Rolle spielen können. Besonders häufig sprechen wir über den oberen Anteil des Trapezmuskels, den Schulterblattheber, also den Musculus levator scapulae, und die kleinen Muskeln direkt unterhalb des Hinterkopfs.

Diese Muskeln arbeiten nicht nur bei großen Bewegungen. Sie stabilisieren den Kopf bei jeder Bildschirmarbeit, beim Autofahren, beim Lesen und sogar dann, wenn wir scheinbar gar nichts tun. Der Kopf wiegt schließlich nicht weniger, nur weil er vor einem Monitor steht. Wird er über längere Zeit leicht nach vorne gehalten, steigt die statische Arbeit der Nackenmuskulatur. Das muss nicht sofort schmerzen. Der Körper kann viel kompensieren. Aber Belastungstoleranz ist keine unendliche Ressource.

Ein myofaszialer Triggerpunkt ist vereinfacht gesagt ein besonders empfindlicher Bereich innerhalb eines verspannten Muskelabschnitts. Bei Druck kann ein lokaler Schmerz entstehen. Häufiger entscheidend ist aber der übertragene Schmerz. Der Druckpunkt im oberen Trapezmuskel liegt dann im Nacken, der Schmerz wird jedoch an der Schläfe oder am Hinterkopf wahrgenommen.

Das erklärt, warum Patienten den schmerzenden Bereich oft falsch suchen. Sie massieren die Stirn, drücken an der Schläfe oder reiben die Augen. Das kann kurzfristig angenehm sein. Die Ursache der Beschwerden liegt dadurch aber nicht automatisch dort. Schmerzort und Ursprungsort sind bei myofaszialen Beschwerden nicht immer identisch.

In österreichischen Bevölkerungsdaten wird die Häufigkeit von Nackenschmerzen mit ungefähr 20 Prozent angegeben. Das ist keine exotische Befindlichkeitsstörung und auch kein Problem, das nur Menschen mit körperlich schwerer Arbeit betrifft. Der klassische Büroalltag reicht aus: acht Stunden Sitzen, wenig Positionswechsel, hoher Zeitdruck und am Abend noch das Smartphone in derselben Haltung.

Welche Muskeln häufig beteiligt sind

In der Praxis begegnen uns besonders oft diese Strukturen:

  • Oberer Trapezmuskel: Er verbindet Nacken, Schulter und oberen Rücken. Triggerpunkte können Schmerzen in Hinterkopf, Schläfe und Stirn übertragen.
  • Musculus levator scapulae: Der Schulterblattheber reagiert häufig auf dauerhaft hochgezogene Schultern, einseitige Belastungen und eingeschränkte Beweglichkeit der Brustwirbelsäule.
  • Subokzipitale Muskulatur: Die kleinen Muskeln unter dem Hinterkopf arbeiten bei der Kopfhaltung ständig mit. Ihre Überlastung wird oft als Druck am Schädelansatz oder als Kopfschmerz beschrieben.
  • Muskeln der Brust- und Schulterregion: Eine nach vorne gezogene Schulterposition verändert die Biomechanik des gesamten Schulter-Nacken-Systems. Der Nacken muss dann häufig mehr stabilisieren, als ihm lieb ist.

Der Begriff Triggerpunkt klingt präzise. In der Realität ist die Sache weniger sauber. Die manuelle Tastdiagnostik ist wissenschaftlich umstritten. Verschiedene Therapeuten können bei derselben Person unterschiedliche Punkte als auffällig bewerten. Das bedeutet nicht, dass der Schmerz eingebildet ist. Es bedeutet, dass wir bei der Diagnose nicht so tun sollten, als könnten wir mit zwei Fingern millimetergenau die eine verborgene Ursache finden.

Triggerpunkttherapie bei Nacken- und Kopfschmerzen: Was sie leisten kann

Manuelle Triggerpunkttherapie kann bei Spannungskopfschmerzen eine sinnvolle Maßnahme sein. Studien und Übersichtsarbeiten zeigen eine moderate Evidenz für eine kurz- bis mittelfristige Schmerzlinderung. Das gilt besonders dann, wenn die manuelle Behandlung mit aktiven Übungen kombiniert wird.

Der entscheidende Punkt lautet: Die Behandlung wirkt nicht zwingend deshalb, weil ein Therapeut einen geheimen Schmerzschalter gefunden hat. Druck, Dehnung, Bewegung und die anschließende Veränderung der Muskelaktivität können das Nervensystem beeinflussen. Der Muskel wird besser belastbar, die Bewegung kann vorübergehend leichter werden und der Patient bekommt wieder Vertrauen in den eigenen Körper.

Das ist klinisch relevant. Ein Mensch, der den Kopf kaum drehen kann, bewegt sich weniger. Wer Bewegung vermeidet, verliert häufig noch mehr Belastungstoleranz. Daraus entsteht ein Kreislauf aus Schonung, Steifigkeit und erneutem Schmerz. Eine Behandlung, die diesen Kreislauf unterbricht, hat ihren Wert.

Sie darf aber nicht mehr versprechen, als sie halten kann. Triggerpunkttherapie ist keine garantierte Heilung für jede Form von Kopfschmerz. Spannungskopfschmerz, Migräne, cervikogener Kopfschmerz und Kopfschmerz als Symptom einer anderen Erkrankung sind nicht dasselbe. Die Beschwerden können sich überschneiden, brauchen aber nicht dieselbe Strategie.

Ein Triggerpunkt ist kein kleiner Bösewicht, den man nur lange genug zerdrücken muss. Entscheidend ist, warum der Muskel überlastet und ob er danach wieder Belastung verträgt.

In unserer Praxis betrachten wir deshalb nicht nur die schmerzhafte Stelle. Wir prüfen Beweglichkeit, Schulterblattkontrolle, Kraft, Arbeitsposition, Schlaf, Stress und die Reaktion auf Belastung. Das klingt weniger spektakulär als eine einzelne harte Drucktechnik. Es ist aber meistens näher an der Realität.

Triggerpunkte lösen im Nacken: Warum weniger oft mehr ist

Viele Patienten möchten wissen, wie sie Triggerpunkte im Nacken lösen können. Die verständliche Erwartung lautet: Stelle finden, kräftig drücken, Problem erledigt. Der Körper arbeitet leider nicht nach dieser Bedienungsanleitung.

Intensiver Druck kann vorübergehend hilfreich sein. Zu viel Druck reizt Gewebe und Nervensystem aber zusätzlich. Besonders im Nacken ist brutales Herumdrücken keine Auszeichnung für therapeutische Qualität. Ein blauer Fleck beweist nicht, dass die Behandlung erfolgreich war.

Sinnvoller ist ein abgestuftes Vorgehen:

1. Empfindliche Struktur identifizieren: Der Druck sollte einen bekannten Schmerz reproduzieren, ohne stechenden, elektrisierenden oder ungewohnten Schmerz auszulösen.

2. Dosiert behandeln: Der Druck bleibt tolerierbar. Der Patient muss nicht die Zähne zusammenbeißen, um eine angeblich tiefere Wirkung zu erreichen.

3. Bewegung anschließen: Nach der manuellen Behandlung wird der Nacken aktiv bewegt. Das hilft, die gewonnene Beweglichkeit in eine funktionelle Reaktion zu übersetzen.

4. Belastung prüfen: Entscheidend ist, ob der Patient den Kopf danach besser drehen, den Arm bewegen oder den Arbeitsplatz tolerieren kann.

5. Auslöser verändern: Ohne Anpassung der täglichen Belastung bleibt die Behandlung häufig ein kurzer Zwischenstopp auf dem Weg zum nächsten Schub.

Selbstbehandlung mit einem Ball oder den Fingern kann bei unkomplizierten muskulären Beschwerden funktionieren. Sie sollte nicht direkt auf die Halswirbelsäule, die vordere Halsseite oder schmerzhafte Strukturen mit neurologischen Symptomen zielen. Bei Taubheit, Kribbeln, Kraftverlust oder ausstrahlenden elektrischen Schmerzen gehört die Situation fachlich abgeklärt.

Manuelle Therapie und subjektives Empfinden: Wenn es sofort besser wird

Eine der häufigsten Aussagen nach einer Behandlung lautet: Der Schmerz ist weg. Das freut uns. Wir sollten daraus trotzdem nicht automatisch schließen, dass die Ursache beseitigt ist.

Schmerz ist eine komplexe Schutzreaktion. Er hängt unter anderem von Gewebereizung, Schlaf, Stress, Erwartung, Bewegungserfahrung und der Verarbeitung im Nervensystem ab. Eine manuelle Behandlung kann diesen Alarm kurzfristig herunterregeln. Das ist nicht bloß Einbildung. Subjektive Besserung ist ein wichtiges Therapieziel. Sie ist aber nicht dasselbe wie eine dauerhafte Veränderung der Belastbarkeit.

Das ist der Unterschied zwischen Symptomkontrolle und nachhaltiger Anpassung. Wenn der Patient sich nach der Behandlung wieder normal bewegen kann, ist das ein gutes Zeitfenster für aktive Arbeit. Dann üben wir genau die Bewegungen, die bisher vermieden wurden. Nicht mit Gewalt, sondern mit einer Dosis, die der Körper verarbeiten kann.

Die klassische Massage erfüllt dabei ebenfalls ihren Zweck. Sie kann Muskeltonus, Wohlbefinden und Beweglichkeit vorübergehend beeinflussen. Eine Sportmassage kann nach hoher Belastung angenehm sein. Eine Bindegewebsmassage oder andere manuelle Techniken können in ein umfassenderes Behandlungskonzept passen. Keine dieser Methoden ersetzt jedoch automatisch Kraftaufbau, Koordination und eine vernünftige Belastungssteuerung.

Warum die Tastdiagnose nicht unfehlbar ist

In der physiotherapeutischen Ausbildung lernen wir, Gewebe zu palpieren und auffällige Bereiche zu beurteilen. Das ist praktisch notwendig. Gleichzeitig ist es fachlich sauber, die Grenzen dieser Methode anzuerkennen.

Wenn zwei erfahrene Therapeuten bei derselben Person unterschiedliche Triggerpunkte finden, ist das kein Grund, die gesamte manuelle Therapie abzuschreiben. Es ist aber ein Grund, die Diagnose nicht auf einen einzigen tastbaren Punkt zu reduzieren. Der klinische Befund muss mit dem Beschwerdeverlauf, der Bewegung und der Reaktion auf Belastung zusammenpassen.

Ein guter Befund beantwortet deshalb mehr als die Frage, ob ein Punkt druckempfindlich ist:

  • Reproduziert der Druck tatsächlich den bekannten Kopfschmerz?
  • Verändert sich die Beweglichkeit danach?
  • Gibt es einen Zusammenhang mit einer bestimmten Belastung?
  • Treten neurologische Begleitsymptome auf?
  • Wie lange hält die Verbesserung an?
  • Kann der Patient die Veränderung durch Bewegung und Alltag stabilisieren?

Diese Fragen sind weniger elegant als die Behauptung, man habe den einen Schuldigen gefunden. Dafür sind sie klinisch brauchbarer.

Reaktionen nach der Behandlung: Muskelkater ist nicht automatisch ein Erfolg

Nach einer Triggerpunktmassage im Nacken fragen viele Patienten, wie lange die Beschwerden danach dauern dürfen. Eine leichte Reaktion ist möglich. Muskelkaterähnliche Schmerzen, eine vorübergehende Erstverschlimmerung, blaue Flecken oder leichter Schwindel können nach intensiver manueller Behandlung auftreten. Meist klingen solche Reaktionen innerhalb von ein bis drei Tagen ab.

Das ist die pragmatische Grenze, nicht die Einladung zum Durchhalten um jeden Preis. Die Reaktion sollte beobachtbar bleiben und sich wieder beruhigen. Wird der Schmerz deutlich stärker, verändert sich sein Charakter oder kommen neue Symptome hinzu, muss die Behandlung neu bewertet werden.

Gerade im Nackenbereich ist die Dosierung wichtig. Der Kopf sitzt nicht auf einem beliebigen Muskelknoten, sondern auf einer Region mit empfindlichen Gelenken, Nerven und Gefäßstrukturen. Wir brauchen dort keine Mutprobe. Eine Behandlung ist nicht besser, weil sie am nächsten Tag jede Bewegung verhindert.

Nach einer manuellen Einheit empfehle ich in der Regel leichte aktive Bewegung statt kompletter Schonung. Ein kurzer Spaziergang, vorsichtige Rotation im schmerzarmen Bereich oder einfache Schulterbewegungen sind oft sinnvoller als stundenlanges Liegen. Wärme kann angenehm sein, wenn sie vertragen wird. Auch ausreichend Schlaf und regelmäßige Positionswechsel gehören zur Behandlung, obwohl sie weniger medienwirksam sind als der nächste Massagegriff.

Wann eine Erstverschlimmerung nicht mehr in das normale Muster passt

Eine vorübergehende Reaktion kann vorkommen. Nicht jede Verschlechterung ist aber eine normale Therapiefolge. Kritisch wird es, wenn:

  • der Schmerz plötzlich extrem stark und ungewohnt auftritt,
  • Lähmungserscheinungen oder deutlicher Kraftverlust dazukommen,
  • Sehstörungen, Sprachstörungen oder ausgeprägte Gleichgewichtsstörungen auftreten,
  • Fieber und Nackensteife bestehen,
  • der Kopfschmerz nach einem Unfall neu entstanden ist,
  • Taubheit oder anhaltendes Kribbeln in Arm oder Hand auftreten,
  • die Beschwerden trotz Anpassung der Behandlung stetig zunehmen.

Dann gehört der Fall nicht auf die Massagebank, sondern ärztlich abgeklärt. Das ist keine Übervorsicht. Red Flags sind der Punkt, an dem wir Therapeuten unsere Zuständigkeit ernst nehmen müssen.

Die Grenzen der manuellen Arbeit: Warum aktives Training den Unterschied macht

Die kurzfristige Wirkung manueller Techniken ist nicht wertlos. Sie wird nur überschätzt, wenn sie als vollständige Therapie verkauft wird. Die vorhandene Studienlage spricht eher dafür, manuelle Triggerpunktbehandlung mit aktiven Übungen zu verbinden. Mittel- bis kurzfristige Effekte können sich in Untersuchungen bis zu ungefähr drei Monaten zeigen. Was darüber hinaus durch rein passive Behandlung erreicht wird, ist deutlich weniger klar.

Für die Praxis bedeutet das: Wir nutzen die manuelle Therapie, um Bewegung möglich zu machen. Danach muss der Patient diese Bewegung auch selbst kontrollieren und dosiert belasten.

Das Training muss nicht kompliziert sein. Bei Nacken- und Spannungskopfschmerzen können je nach Befund folgende Bereiche relevant sein:

  • aktive Rotation und Seitneigung der Halswirbelsäule im verträglichen Bereich,
  • Ausdauertraining für die tiefen Halsbeuger,
  • Kräftigung der Schulterblattmuskulatur,
  • Mobilität der Brustwirbelsäule,
  • Belastung der Arme über Kopf, wenn diese im Alltag relevant ist,
  • schrittweise Steigerung der Sitz- und Bildschirmtoleranz.

Der Klassiker ist die Übung, die Patienten nur dann machen, wenn der Schmerz bereits laut wird. Das ist verständlich, aber unpraktisch. Training funktioniert besser, wenn es regelmäßig und in einer angemessenen Dosis stattfindet. Zwei Tage ehrgeiziges Üben und anschließend eine Woche Pause sind kein Plan, sondern ein wiederkehrendes Missverständnis.

Schmerz während der Übung richtig einordnen

Nicht jeder Schmerz während einer Bewegung bedeutet Schaden. Ein leichtes Ziehen oder eine moderate, kontrollierbare Beschwerde kann bei der Wiederbelastung akzeptabel sein. Der Schmerz darf sich danach jedoch nicht stundenlang hochschaukeln und am nächsten Tag deutlich schlechter sein.

Wir betrachten die Reaktion über 24 Stunden. Das ist im Alltag aussagekräftiger als die Frage, ob eine einzelne Wiederholung angenehm war. Der Körper braucht eine Belastung, die er verarbeiten kann. Diese Grenze liegt bei jedem Menschen anders und verändert sich mit Schlaf, Stress, Erkrankung und Trainingszustand.

Auch die Ergonomie darf nicht zur Ersatzreligion werden. Der perfekte Bürostuhl heilt keinen Nacken, wenn der Nutzer vier Stunden ohne Positionswechsel sitzt. Ein guter Arbeitsplatz reduziert ungünstige Belastungen. Noch wichtiger ist, regelmäßig die Position zu verändern. Bewegung ist keine Störung der Arbeit. Sie ist Teil der Belastungssteuerung.

Die Massage kann die Tür öffnen. Durchgehen muss der Patient selbst – mit Bewegung, Training und einer Belastung, die im Alltag tatsächlich funktioniert.

Triggerpunkttherapie, Dry Needling und Selbstbehandlung: Nicht alles ist dasselbe

Triggerpunkttherapie wird im Alltag für unterschiedliche Verfahren verwendet. Dazu gehören manuelle Drucktechniken, Massage, aktive Bewegungen, Dehnung und in manchen Praxen auch Dry Needling. Diese Methoden sind nicht identisch und sollten auch nicht in einen Topf geworfen werden.

Manuelle Behandlung arbeitet über Druck, Bewegung und Gewebekontakt. Dry Needling nutzt eine Nadel, um bestimmte muskuläre Strukturen zu behandeln. Für beide Ansätze gibt es Hinweise auf kurzfristige oder mittelfristige Effekte bei bestimmten myofaszialen Beschwerden. Das bedeutet nicht, dass die eine Methode grundsätzlich überlegen ist. Es bedeutet, dass die Auswahl zum Befund, zur Verträglichkeit und zur Zielsetzung passen muss.

Selbstbehandlung ist wiederum eine eigene Kategorie. Ein Ball an der Wand kann die Muskulatur des Schultergürtels erreichen. Die Technik ist einfach, aber nicht risikofrei, wenn mit zu viel Druck, zu langer Dauer oder an ungeeigneten Stellen gearbeitet wird. Besonders empfindliche Bereiche am Hals sollten nicht aggressiv bearbeitet werden.

Bei wiederkehrenden Kopfschmerzen reicht außerdem eine lokale Behandlung häufig nicht aus. Dann müssen Schlaf, Stress, Trainingszustand, Arbeitsbelastung und die gesamte Bewegungsstrategie auf den Tisch. Der Nacken ist selten ein isoliertes Ersatzteil.

Warnsignale erkennen: Wann der Schmerz ein Fall für den Arzt ist

Neue oder ungewöhnliche Kopfschmerzen verdienen Aufmerksamkeit. Das gilt besonders, wenn sie plötzlich auftreten oder deutlich anders sind als bisher. Eine manuelle Behandlung darf eine notwendige Diagnostik nicht ersetzen.

Sofortige ärztliche Abklärung ist erforderlich bei plötzlich einsetzendem stärkstem Kopfschmerz, Lähmungserscheinungen, Fieber mit Nackensteife, Sehstörungen oder anderen neuen neurologischen Symptomen. Auch nach einem Unfall, bei Bewusstseinsveränderungen oder bei rascher Verschlechterung sollte nicht erst der nächste Massagetermin abgewartet werden.

In der physiotherapeutischen Praxis fragen wir deshalb nach dem Beginn, dem Verlauf und den Begleitsymptomen. Wann ist der Schmerz erstmals aufgetreten? Kommt er nach bestimmten Belastungen? Gibt es Übelkeit, Lichtempfindlichkeit, Taubheit oder Kraftverlust? Hat sich die Intensität plötzlich verändert?

Das ist keine bürokratische Vorrede. Es ist Teil professioneller Arbeit. Wer nur den schmerzhaften Muskel behandelt, aber den gesamten Verlauf ignoriert, arbeitet nicht gründlich, sondern zu kurz.

Meine Einordnung aus dem Praxisalltag

Die Erfahrungen mit Triggerpunkttherapie bei Nacken- und Kopfschmerzen sind in der Praxis häufig positiv, wenn die Erwartungen stimmen. Patienten können nach der Behandlung den Kopf freier bewegen, der Druck im Hinterkopf kann nachlassen und eine Übung wird wieder möglich. Das sind gute Ergebnisse.

Problematisch wird es, wenn aus einer vorübergehenden Besserung ein Heilsversprechen gemacht wird. Der Triggerpunkt ist dann angeblich gelöst, die Ursache beseitigt und jede weitere Mitarbeit überflüssig. Solche Versprechen sind angenehm für das Verkaufsgespräch. Für die Belastbarkeit des Patienten bringen sie wenig.

Myofasziale Triggerpunkte im Nacken können Kopfschmerzen auslösen oder verstärken. Manuelle Techniken können die Beschwerden kurz- bis mittelfristig lindern. Die Diagnose bleibt jedoch klinisch und nicht mathematisch exakt. Die Wirkung hält eher, wenn aktive Übungen, eine passende Belastungssteigerung und Veränderungen im Alltag dazukommen.

Wer Triggerpunkte im Nacken lösen möchte, sollte daher nicht nach dem härtesten Druck suchen. Entscheidend ist die Kombination aus sauberer Befunderhebung, dosierter manueller Behandlung und anschließender Eigenaktivität. Und wer neue neurologische Symptome oder einen plötzlich extremen Kopfschmerz bemerkt, braucht keine weitere Massage, sondern eine medizinische Abklärung.

Der Nacken muss nicht ständig geschont werden. Er muss wieder lernen, Belastung zu tolerieren. Genau dort beginnt die nachhaltige Therapie.

Häufige Fragen

Können Triggerpunkte im Nacken Kopfschmerzen auslösen?
Ja. Besonders Triggerpunkte im oberen Trapezmuskel, im Schulterblattheber und in der Muskulatur unterhalb des Hinterkopfs können Schmerzen in den Hinterkopf, die Schläfe oder die Stirn übertragen.
Wie wirksam ist Triggerpunkttherapie bei Nacken- und Kopfschmerzen?
Studien und Übersichtsarbeiten zeigen eine moderate Evidenz für eine kurz- bis mittelfristige Schmerzlinderung. Die Wirkung ist besonders sinnvoll, wenn die manuelle Behandlung mit aktiven Übungen kombiniert wird.
Wie kann man Triggerpunkte im Nacken sicher selbst behandeln?
Bei unkomplizierten muskulären Beschwerden kann eine Selbstbehandlung mit einem Ball oder den Fingern funktionieren. Sie sollte nicht direkt auf die Halswirbelsäule, die vordere Halsseite oder schmerzhafte Strukturen mit Taubheit, Kribbeln, Kraftverlust oder elektrischen Schmerzen zielen.
Wie lange können Beschwerden nach einer Triggerpunktmassage im Nacken anhalten?
Leichte muskelkaterähnliche Schmerzen, eine vorübergehende Erstverschlimmerung, blaue Flecken oder leichter Schwindel können auftreten und klingen meist innerhalb von ein bis drei Tagen ab. Wird der Schmerz deutlich stärker, verändert sich sein Charakter oder treten neue Symptome auf, sollte die Behandlung neu bewertet werden.
Welche Übungen helfen bei Nacken- und Spannungskopfschmerzen?
Je nach Befund können aktive Rotation und Seitneigung der Halswirbelsäule, Ausdauertraining für die tiefen Halsbeuger, die Kräftigung der Schulterblattmuskulatur und die Mobilität der Brustwirbelsäule relevant sein. Die Übungen sollten regelmäßig und in einer angemessenen, verträglichen Dosis durchgeführt werden.
Wann sollte man mit Nackenschmerzen und Kopfschmerzen zum Arzt?
Sofortige ärztliche Abklärung ist erforderlich bei plötzlich einsetzendem stärkstem Kopfschmerz, Lähmungserscheinungen, Fieber mit Nackensteife, Sehstörungen oder anderen neuen neurologischen Symptomen. Das gilt auch nach einem Unfall, bei Bewusstseinsveränderungen oder bei rascher Verschlechterung.