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Eine Kolumne von Jörn Röttger

Meldung

Gezielte Bewegungstherapie bei axialer Spondyloarthritis: Mehr als nur allgemeine Aktivität

Clinical Therapeutics berichtet am 27.

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 01. September 2026

Gezielte Bewegungstherapie bei axialer Spondyloarthritis: Mehr als nur allgemeine Aktivität

August 2026 über eine aktuelle Übersichtsarbeit, nach der strukturierte und individuell gesteuerte Bewegung bei axialer Spondyloarthritis mehr als ein allgemeiner Hinweis zur Lebensführung sein kann. Ausdauer-, Kraft- und kombinierte Trainingsansätze werden darin mit möglichen Verbesserungen von Krankheitsaktivität, körperlicher Funktion, Wirbelsäulenbeweglichkeit, Fatigue und Lebensqualität verbunden. Für uns Therapeuten ist damit die Richtung klar: Bewegung gehört zum Kernbestandteil der Behandlung, nicht als beliebiger Zusatz und schon gar nicht als Standardprogramm für alle.

Drei Ansätze, aber kein universelles Rezept

Die Übersichtsarbeit betrachtet Ausdauertraining, Krafttraining und kombinierte Trainingsformen. Entscheidend ist dabei nicht die einzelne Übung. Entscheidend ist die strukturierte und individuell gesteuerte Anwendung. Genau hier liegt der Unterschied zu einem zwar gut gemeinten, aber klinisch wirkungslosen Rat wie: Bewegen Sie sich doch einfach mehr.

Ein Trainingsplan wird dann zum Behandlungsbestandteil, wenn er zur jeweiligen Person und zum verfolgten Ziel passt. Als mögliche Zielgrößen nennt die Übersichtsarbeit:

  • Krankheitsaktivität
  • körperliche Funktion
  • Wirbelsäulenbeweglichkeit
  • Fatigue
  • Lebensqualität

Damit wird Bewegung mehr als ein allgemeiner Versuch, den Alltag aktiver zu gestalten. Sie wird zu einem geplanten therapeutischen Element. Wer Bewegung mit einer losen Übungssammlung verwechselt, hat den entscheidenden Punkt noch nicht verstanden: Struktur bedeutet nicht, dass jede Person denselben Plan erhält. Sie bedeutet, dass Auswahl und Durchführung nachvollziehbar an einem Ziel ausgerichtet sind.

Belastung steuern, statt Belastung zu verteilen

Individuell gesteuerte Bewegung klingt zunächst unspektakulär. In der Praxis ist es der Punkt, an dem aus einem guten Vorspruch ein brauchbarer Behandlungsansatz wird. Nicht jede Person erhält automatisch denselben Mix aus Ausdauer und Kraft. Je nach funktioneller Situation und Behandlungsschwerpunkt muss der Plan unterschiedlich aussehen.

Für uns bedeutet das: Belastung wird nicht einfach verteilt, damit auf dem Rezept möglichst viele Übungen stehen. Belastungstoleranz und Zielsetzung gehören zusammen. Steht die körperliche Funktion im Vordergrund, sieht die Trainingsplanung anders aus als bei einem Schwerpunkt auf Wirbelsäulenbeweglichkeit oder Fatigue. Die Übersichtsarbeit beantwortet zwar nicht, wie Dosierung, Auswahl und Steigerung für jede einzelne Person konkret aussehen müssen. Sie stützt aber genau diese klinische Richtung: Bewegung soll geplant und angepasst erfolgen, nicht nach einem starren Schema.

Eine Grenze sollten wir dennoch nicht verwischen. Die vorliegenden Angaben belegen nicht, dass Bewegung andere Behandlungen ersetzt. Das ist keine pedantische Einschränkung, sondern Schutz vor einem neuen Wohlfühlversprechen. Evidenz für Bewegung ist kein Freifahrtschein für therapeutischen Aktionismus.

Evidenz ernst nehmen heißt auch, Lücken zu benennen

Die praktische Schlussfolgerung lautet nicht mehr Bewegung um jeden Preis. Sie lautet: strukturierte Bewegung mit einem überprüfbaren Ziel. Für unsere tägliche Arbeit heißt das, die gewählte Trainingsform und den Behandlungsschwerpunkt nachvollziehbar festzuhalten und den Plan nicht nur auszuhändigen, sondern im Therapieprozess zu steuern.

Die Übersichtsarbeit nennt mehrere relevante Ergebnisbereiche. Sie liefert jedoch keine fertige Rangfolge der Trainingsformen und keine allgemeingültige Dosierung. Daraus lässt sich weder ein Standardprogramm für alle Betroffenen ableiten noch die Behauptung, ein bestimmter Ansatz sei immer überlegen. Der vorliegende Kurztext enthält außerdem keine Angaben dazu, wie die genannten Zielgrößen im einzelnen Behandlungsverlauf gemessen wurden.

Für uns Therapeuten bleibt deshalb eine nüchterne Aufgabe: die richtige Richtung kennen, ohne daraus ein Patentrezept zu basteln. Bewegung ist bei axialer Spondyloarthritis Behandlung. Aber wirksam wird sie nicht durch mehr Papier auf dem Übungszettel, sondern durch eine passende Auswahl, eine klare Zielsetzung und konsequente individuelle Steuerung. Alles andere ist nur Bewegung – und noch lange nicht Training als Therapie.