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Eine Kolumne von Jörn Röttger

Meldung

Wachstumsstrategien für Physiotherapie: Lehren aus dem US-Markt

Nach Angaben von Investing.com hat U.S. Physical Therapy auf der 17. Annual Midwest IDEAS Conference ihre Wachstumsstrategie vorgestellt — mit neuen Klinik-Allianzen und einer eigenen Einheit für Injury Prevention.

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 27. August 2026

Wachstumsstrategien für Physiotherapie: Lehren aus dem US-Markt

Das Ziel, so berichtet das Portal: den Druck sinkender Medicare-Erstattungen ausgleichen. Klingt erst nach fernem Börsen-Klima. Ist es aber nicht.

Die Geschäftslogik hinter dem Ganzen

Wer die Meldung liest, erkennt ein Muster, das wir hier nur zu gut kennen: gedeckelte Vergütung pro Behandlungseinheit, steigende Kosten, wachsender Druck. Die US-Kette reagiert mit drei Hebeln — Volumen, Kooperationen mit Kliniken, Prävention. Die Reihenfolge ist kein Zufall. Erst die Masse, dann die Versorgungstiefe, dann das Thema, das wir alle predigen und selten sauber abrechnen können: Verletzungsprävention.

Was das mit unserer Praxis zu tun hat

Wir Therapeuten in Deutschland haben unsere eigene Variante von Medicare: Heilmittelverträge, Budgetdeckel, und das ständige Tauziehen mit den Kassen, wenn die Verordnung mal wieder drei Einheiten weniger hat als klinisch nötig. Wer ausschließlich auf Heilmittel setzt, steht auf einem Bein. Was die Kollegen in den USA jetzt offensichtlich erkannt haben — sich breiter aufstellen, Prävention als eigenes Standbein denken, Kooperationen mit Akutkliniken suchen — ist im Kern das, was wir aus Gewohnheit gern ignorieren. Nicht weil es schlecht wäre, sondern weil es unbequem ist.

Was ich mir konkript abschaue

Ganz ehrlich: die Idee, Injury Prevention als eigenständiges Angebot zu führen, hat Hand und Fuß. Nicht weil das Wort gerade hip ist, sondern weil es endlich der Bereich ist, in dem wir nicht von der Kassenlogik abhängig sind. Selbstzahler, Betriebliches Gesundheitsmanagement, Kooperationen mit Sportvereinen oder Unternehmen — das sind die Beine, die eine Praxis wirklich krisenfest machen. Ob die US-Kollegen das aus Einsicht oder aus purer Not tun, spielt dabei keine Rolle. Das Ergebnis zählt. Und das Ergebnis ist übertragbar.