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Eine Kolumne von Jörn Röttger

Meldung

Telemedizinische Physiotherapie: Studie untersucht Wirksamkeit bei Veteranen

Wie VA News berichtet, sucht das Geriatric Research Education and Clinical Center der US-Veteranenverwaltung 126 Veteranen für eine Studie zur telemedizinischen Physiotherapie.

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 26. August 2026

Telemedizinische Physiotherapie: Studie untersucht Wirksamkeit bei Veteranen

Untersucht werden soll, ob eine hochintensive Rehabilitation per Video nicht nur die körperliche Funktion verbessert, sondern diese Effekte bei älteren Erwachsenen auch stabil hält. Für die Praxis ist das relevant, weil Teletherapie damit nicht als Technikspielerei, sondern als strukturiertes Rehabilitationsprogramm geprüft wird.

Nicht jede Videosprechstunde ist Rehabilitation

Das geplante Programm heißt „Multicomponent Telerehabilitation Program“. Teilnehmen können Veteranen ab 60 Jahren, die einen Bedarf an Physiotherapie haben. Die endgültige Entscheidung über die Eignung treffen Mitarbeitende des VA Eastern Colorado Health Care System und der University of Colorado School of Medicine.

Der Aufbau ist bemerkenswert klar: Drei Monate lang finden dreimal pro Woche videobasierte Einheiten statt. Danach folgen in den nächsten zwölf Wochen vier zusätzliche Coaching-Sitzungen. Zum Programm gehören neben Physiotherapie auch Coaching und soziale Unterstützung. Die Teilnehmenden erhalten außerdem ein Fitbit, um Aktivität und Gesundheitsdaten zu erfassen.

Das ist mehr als eine Kamera vor dem Trainingsgerät. Geprüft wird ein Paket aus Bewegungstherapie, Betreuung, technischer Unterstützung und sozialer Einbindung. Genau an dieser Stelle trennt sich in der Telephysiotherapie die belastbare Versorgung vom digitalen Etikettenschwindel. Eine Videoschaltung allein verbessert noch keine Belastungstoleranz.

Was die Studie tatsächlich messen soll

Die Studie vergleicht die körperliche Entwicklung der Telerehabilitationsgruppe mit einer Kontrollgruppe, die Informationen erhält. Im Mittelpunkt stehen Kraft, Mobilität und die körperliche Funktion im Alltag. Zusätzlich geht es um die Frage, ob Verbesserungen längerfristig erhalten bleiben.

Die VA hat das Programm bereits zweimal evaluiert. In der ersten Pilotstudie schlossen 14 Veteranen das Programm ab, in der zweiten 46. Nach Abschluss der Therapie zeigten diese Teilnehmenden im Durchschnitt deutliche Verbesserungen ihrer aeroben und körperlichen Fitness. Die nun geplante dritte Untersuchung soll vor allem die längerfristigen Ergebnisse prüfen.

Wichtig: Das ist ein Studienziel und noch kein Beleg dafür, dass Telephysiotherapie einer Behandlung vor Ort grundsätzlich gleichwertig ist. Wer aus einer solchen Meldung sofort den kompletten Ersatz der Praxis ableitet, verwechselt Forschungsfrage und Forschungsergebnis. Genau diese Verwechslung begegnet uns im Gesundheitsbereich regelmäßig – meistens kurz vor dem nächsten überzogenen Digitalversprechen.

Was deutsche Praxen daraus mitnehmen können

Für den Praxisalltag liegt der interessante Punkt nicht im Fitbit, sondern in der Struktur. Telemedizinische Physiotherapie soll hier mit festen Terminen, hoher Trainingsfrequenz, Coaching und anschließender Begleitung funktionieren. Das adressiert ein bekanntes Problem jeder Rehabilitation: Übungen sind schnell erklärt, aber die regelmäßige Umsetzung und die Anpassung der Belastung entscheiden über die Compliance.

Gleichzeitig bleibt die körperliche Untersuchung ein eigener Baustein. Die vorliegenden Angaben sagen nicht, bei welchen Diagnosen das Programm eingesetzt wird, welche Übungen konkret durchgeführt werden oder wie Red Flags und notwendige manuelle Befunde gehandhabt werden. Deshalb wäre es unseriös, aus der US-Studie bereits konkrete deutsche Behandlungspfade abzuleiten.

Was wir beobachten sollten, ist der längerfristige Verlauf. Kurzfristige Fitnessgewinne sind erfreulich. Entscheidend ist aber, ob Patientinnen und Patienten nach dem betreuten Zeitraum aktiv bleiben und ihre körperliche Funktion im Alltag halten. Erst diese Daten zeigen, ob das Modell mehr ist als ein gut organisierter Startschuss.

Für die deutsche Physiotherapie ergibt sich daraus eine nüchterne Prüfregel: Teletherapie muss an klaren Zielen, regelmäßiger Rückmeldung und messbarer Belastungssteuerung hängen. Fehlt eines davon, bleibt am Ende oft nur ein Videotermin mit guten Absichten. Und gute Absichten sind in der Rehabilitation ungefähr so belastbar wie ein Trainingsplan, der ungeöffnet in der Schublade liegt.