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Eine Kolumne von Jörn Röttger

Meldung

Warum Schmerzen nach der Geburt kein Normalzustand sind: Wege zur Beckenboden-Regeneration

Schluss mit dem Mythos "Das gehört dazu": Die indische Kollegin Muskan Rastogi, Physiotherapeutin und Lactation Consultant an den Motherhood Hospitals in Greater Noida, bringt es im Gespräch mit…

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 28. August 2026

Warum Schmerzen nach der Geburt kein Normalzustand sind: Wege zur Beckenboden-Regeneration

Schluss mit dem Mythos "Das gehört dazu": Die indische Kollegin Muskan Rastogi, Physiotherapeutin und Lactation Consultant an den Motherhood Hospitals in Greater Noida, bringt es im Gespräch mit Hindustan Times auf den Punkt. Postpartale Schmerzen sind kein Schicksal, das frau still ertragen muss. Sie ist die Stellschraube, an der wir Therapeuten drehen.

Was passiert wirklich im Körper

Schwangerschaft und Geburt sind eine biomechanische Belastungsprobe der besonderen Art. Neun Monate Gewichtstransfer, hormonelle Lockerung des Bandapparats, Geburtstrauma, Stillhaltung, Heben des Neugeborenen, Schlafentzug. Das alles summiert sich. Die häufigsten Beschwerden, die Rastogi beschreibt: tiefer Rückenschmerz, Nacken- und Schulterbeschwerden, Beckenschmerz, Handgelenksprobleme, abdominelle Schwäche, Muskelsteifigkeit. Dazu kommt bei vielen Frauen ein geschwächter Beckenboden mit Urininkontinenz oder dem Gefühl von Schwere im Becken.

Genau hier beginnt unser Job. Und genau hier hört für viele Patienten der Therapie-Marathon auf, obwohl er gerade erst anfangen sollte.

Beckenboden ist mehr als Kegel

Der weitverbreitete Reflex: "Mach mal Kegel-Übungen." Fertig. Rastogi stellt das richtig, und ich kann ihr nur beipflichten. Beckenbodenrehabilitation umfasst vier Hebel: Kräftigung, Entspannung, Mobilität und die Koordination mit Bauchmuskulatur und Atmung. Wer das reduziert auf "zusammenkneifen und hoffen", lässt Patientinnen mit einem dysfunktionalen, hypertonen Beckenboden allein. Das ist kein Wohlfühlprogramm, das ist funktionelle Medizin.

Auch der sportliche Wiedereinstieg gehört progressiv gesteuert. Belastungstoleranz statt Kalorien-Tracking. Belastungsdosis statt Vor-Schwangerschafts-Fitness als Referenz.

Was wir in der Praxis daraus machen

Zwei Punkte, die mir unter den Nägeln brennen. Erstens: Schmerz nach der Geburt ist kein Charaktermarker, sondern ein Befund. Wer seiner Patientin sagt, sie solle sich zusammenreißen, hat den Befund nicht verstanden. Zweitens: Screening kostet nichts außer zehn Minuten. Beckenbodenfunktion, abdominale Integrität, Haltung beim Stillen, Hebetechniken. Das gehört in jede Erstuntersuchung einer frischen Mutter, nicht erst wenn die Inkontinenz das Sozialleben diktiert.

Rastogis Botschaft deckt sich mit dem, was wir täglich sehen. Postpartale Physiotherapie ist kein Bonus, sondern Notwendigkeit.