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Eine Kolumne von Jörn Röttger

Core-Training bei Hohlkreuz: Die Lehre aus einem Fehlversuch

Wer ein Hohlkreuz wegtrainieren will, landet schnell bei Crunches, Sit-ups und möglichst vielen Planks. Das klingt logisch: Bauch kräftigen, Rücken stabilisieren, Haltung verbessern. In der Praxis funktioniert diese Rechnung aber nicht automatisch.

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·Aktualisiert: 26. August 2026·13 Min. Lesezeit

Core-Training bei Hohlkreuz: Die Lehre aus einem Fehlversuch

Klassische Crunches können bei einer ausgeprägten anterioren Beckenkippung sogar kontraproduktiv sein. Dann wird fleißig trainiert – und die Lendenwirbelsäule bleibt trotzdem in ihrer überstreckten Position.

Der entscheidende Fehler liegt meist nicht darin, dass jemand zu wenig Bauchmuskeln hat. Das Problem ist die fehlende Kontrolle über das Becken. Wer die Beckenstellung während der Übung nicht steuern kann, trainiert unter Umständen genau das Bewegungsmuster, das er eigentlich loswerden möchte. Das ist kein persönliches Versagen. Es ist schlicht schlechte Übungsauswahl oder fehlende Anleitung. Beides lässt sich korrigieren.

Das Hohlkreuz beginnt nicht im unteren Rücken

Ein funktionelles Hohlkreuz entsteht häufig durch ein Zusammenspiel mehrerer Faktoren: Die Hüftbeuger sind verkürzt oder dauerhaft unter Spannung, Bauch- und Gesäßmuskulatur arbeiten zu wenig, und das Becken kippt nach vorne. Diese Position wird als anteriore Beckenkippung bezeichnet. Die Lendenwirbelsäule folgt der Bewegung und verstärkt ihre Lordose.

Eine gewisse Beckenkippung nach vorne ist normal. Bei Männern gelten Werte bis etwa 7 Grad, bei Frauen bis etwa 10 Grad als physiologisch. Der Körper steht nicht wie ein Lineal. Eine natürliche Lordose gehört zur Wirbelsäule und ist kein Befund, den man grundsätzlich beseitigen muss.

Problematisch wird es, wenn die Position mit Beschwerden, Bewegungseinschränkungen oder einer mangelnden Belastungstoleranz einhergeht. Auch ohne Schmerzen kann eine dauerhaft überstreckte Haltung die Kraftübertragung beim Gehen, Heben, Laufen oder Springen verschlechtern. Die Muskulatur arbeitet dann nicht zwingend zu schwach, sondern im falschen Verhältnis und unter ungünstigen Hebelbedingungen.

In unserer Praxis ist deshalb die erste Frage nicht: Wie stark ist die Bauchmuskulatur? Die bessere Frage lautet: Kann die Person ihr Becken aktiv in eine neutrale Position bringen und diese Stellung unter Belastung halten?

Das ist ein Unterschied mit Konsequenzen. Ein kräftiger Bauchmuskel allein korrigiert keine Haltung, wenn die Bewegungskontrolle fehlt.

Ein Hohlkreuz wird nicht durch möglichst viele Wiederholungen besser. Es wird besser, wenn das Becken unter Belastung wieder steuerbar wird.

Warum Crunches bei Hyperlordose oft die falsche Antwort sind

Crunches gehören zu den bekanntesten Bauchübungen. Bekannt heißt allerdings nicht automatisch sinnvoll. Bei einer Hyperlordose und fehlender Beckenkontrolle können klassische Crunches die Situation verschärfen.

Der Grund ist nicht, dass jede Beugung der Wirbelsäule schädlich wäre. Diese pauschale Warnung ist genauso unbrauchbar wie die Behauptung, Crunches seien immer harmlos. Entscheidend ist die Ausgangsposition und das Bewegungsmuster. Viele Menschen führen Crunches mit einem nach vorne gekippten Becken aus. Der untere Rücken bleibt dabei im Hohlkreuz. Der Oberkörper bewegt sich ein wenig, die Lendenwirbelsäule verändert ihre Stellung aber kaum.

Zusätzlich kann die Übung eine zurückgelehnte Körperhaltung fördern. Das Becken bleibt vorne, der Brustkorb weicht aus, und die Bewegung wird über die falschen Abschnitte organisiert. Das Ergebnis sieht nach Bauchtraining aus, trainiert aber nicht zwangsläufig die Fähigkeit, die Lendenwirbelsäule und das Becken gemeinsam zu kontrollieren.

Typische Fehler sehen so aus:

1. Der Bauch wird angespannt, aber das Becken bleibt nach vorne gekippt.

Eine sichtbare Bauchspannung bedeutet nicht automatisch, dass die Wirbelsäule sinnvoll stabilisiert wird.

2. Die Füße werden fixiert und die Hüftbeuger übernehmen.

Wer die Füße unter ein Möbelstück klemmt oder mit hohem Widerstand arbeitet, kann die Hüftbeuger stärker einsetzen. Genau diese Strukturen stehen bei einem funktionellen Hohlkreuz häufig bereits unter zu hoher Spannung.

3. Die Wiederholungszahl ersetzt die Bewegungskontrolle.

Dreißig unsaubere Wiederholungen sind keine bessere Therapie als zehn kontrollierte. Das gilt auch dann, wenn die Fitnessuhr begeistert piept.

4. Der Brustkorb wird nach vorne geschoben.

Dadurch entsteht eine Kette aus Rippenhebung, Beckenkippung und verstärkter Lendenlordose. Der Körper stabilisiert sich – nur eben in einer ungünstigen Position.

5. Die Übung wird trotz zunehmender Spannung im unteren Rücken fortgesetzt.

Ein Ziehen oder Druckgefühl im Rücken ist kein Qualitätssiegel. Der Körper meldet nicht immer eine Katastrophe, aber oft eine schlechte Lastverteilung.

Wer Core-Training bei Hohlkreuz als Fehler ausschließlich mit fehlender Kraft erklärt, greift deshalb zu kurz. Die tiefe Bauchmuskulatur kann beteiligt sein. Entscheidend ist jedoch, ob sie gemeinsam mit Zwerchfell, Beckenboden, Rücken- und Hüftmuskulatur eine belastbare Rumpfkontrolle erzeugt.

Der verkürzte Hüftbeuger zieht das Becken nach vorne

Der Musculus iliopsoas, also der große Lenden-Darmbeinmuskel, verbindet die Lendenwirbelsäule mit dem Oberschenkel. Er ist an der Hüftbeugung beteiligt und arbeitet beim Sitzen, Gehen und Heben. Wenn die Hüfte über lange Zeit in Beugung bleibt und die vollständige Streckung selten vorkommt, kann die Muskulatur an Beweglichkeit verlieren oder dauerhaft erhöhten Tonus entwickeln.

Das bedeutet nicht, dass jeder Büroarbeiter automatisch einen verkürzten Iliopsoas hat. Auch hier lohnt sich eine saubere Untersuchung statt einer schnellen Internetdiagnose. Bei einem funktionellen Hohlkreuz kann ein eingeschränkter Hüftbeuger jedoch die anteriore Beckenkippung begünstigen. Das Becken wird nach vorne gezogen. Die Lendenwirbelsäule verstärkt ihre Lordose, um die aufrechte Position zu halten.

Besonders ungünstig ist die Kombination aus wenig Hüftstreckung und viel Sitzen mit anschließendem Training, das ausschließlich die vordere Körperseite belastet. Wer acht Stunden sitzt, danach aggressive Bauchübungen macht und auf Dehnung verzichtet, hat nicht automatisch etwas für seine Haltung getan. Der Trainingsreiz muss zur Ausgangslage passen.

Eine sinnvolle Dehnung des Hüftbeugers ist deshalb kein dekoratives Anhängsel am Ende des Trainings. Sie schafft die Voraussetzung dafür, dass das Becken überhaupt in eine neutralere Stellung bewegt werden kann. Je nach Ausgangslage sollte die Dehnung etwa 20 bis 40 Sekunden gehalten werden. Bei manchen Personen sind 40 bis 60 Sekunden pro Seite sinnvoll. Nicht wippen, nicht ins Hohlkreuz ausweichen und nicht den Schmerz wegatmen. Die Dehnung soll an der Vorderseite der Hüfte ankommen, nicht im unteren Rücken.

Eine brauchbare Ausgangsposition ist der halbe Kniestand:

  • Ein Knie steht am Boden, der andere Fuß steht vorne.
  • Das Becken wird leicht nach hinten gekippt, als würde der Schambeinknochen in Richtung Bauchnabel geführt.
  • Das Gesäß der hinteren Seite wird angespannt.
  • Erst danach wird der Körper vorsichtig nach vorne verlagert.
  • Die Lendenwirbelsäule bleibt möglichst ruhig und fällt nicht in eine stärkere Lordose.

Der häufigste Fehler steckt bereits im zweiten Schritt. Viele schieben die Hüfte nach vorne, ohne das Becken zu kontrollieren. Dann wird nicht der Hüftbeuger sinnvoll gedehnt, sondern der Rücken ins Hohlkreuz gedrückt. Das fühlt sich oft intensiv an. Intensität und Wirksamkeit sind aber keine Zwillinge.

Beckenkontrolle statt Bauchmuskel-Marathon

Die Korrektur eines funktionellen Hohlkreuzes beginnt mit einer Bewegung, die im Fitnessstudio gern übersprungen wird: der bewussten Beckenkippung.

In Rückenlage lassen sich die Bewegungen zunächst ohne große Last üben. Die Knie sind angewinkelt, die Füße stehen auf dem Boden. Zwischen Lendenwirbelsäule und Unterlage besteht ein kleiner Abstand. Nun wird das Becken langsam nach hinten gekippt, sodass sich der Abstand zur Unterlage verringert. Dabei sollen nicht die Gesäßmuskeln verkrampfen und nicht die Rippen nach unten gepresst werden. Es geht um eine kontrollierte, kleine Bewegung.

Diese Übung wirkt unspektakulär. Genau das ist ihr Vorteil. Sie zeigt, ob jemand sein Becken überhaupt differenziert bewegen kann. Wer diese Kontrolle nicht besitzt, sollte nicht sofort mit instabilen Unterlagen, schweren Kabelzügen oder langen Planks beginnen. Ein wackeliges Trainingsgerät ersetzt keine motorische Kontrolle. Es macht den Fehler nur teurer.

Danach kann die Belastung schrittweise erhöht werden. Geeignet sind Übungen, bei denen die neutrale Beckenstellung gehalten werden muss:

Dead Bug mit kontrollierter Lendenposition

Beim Dead Bug liegen die Arme und Beine in einer Ausgangsposition, während einzelne Extremitäten langsam bewegt werden. Für Personen mit Hohlkreuz ist nicht die maximale Bewegungsamplitude entscheidend. Die Beine dürfen nur so weit abgesenkt werden, wie die Lendenwirbelsäule kontrolliert bleibt.

Sobald der Rücken deutlich ins Hohlkreuz ausweicht, ist die Übung zu schwer. Dann wird der Bewegungsradius verkleinert oder zunächst nur ein Bein bewegt. Das ist keine Niederlage, sondern eine vernünftige Dosierung.

Glute Bridge mit Beckenkontrolle

Die Brücke kräftigt die Gesäßmuskulatur und verbessert die Hüftstreckung. Der häufige Fehler: Die Bewegung wird aus dem unteren Rücken eingeleitet. Das Becken kippt nach vorne, die Rippen stehen hoch, und die Person hebt sich scheinbar weit vom Boden ab.

Besser ist eine kleinere Bewegung mit aktiver Gesäßspannung. Das Becken wird zunächst leicht nach hinten gekippt. Danach wird die Hüfte angehoben, ohne die Lendenwirbelsäule zu überstrecken. Oben muss keine maximale Höhe erreicht werden. Der höchste Punkt ist dort, wo das Gesäß arbeitet und der Rücken ruhig bleibt.

Plank – aber nicht als Mutprobe

Ein Plank kann beim Hohlkreuz sinnvoll sein. Er ist aber kein Freibrief für zwei Minuten Durchhalten. Die Qualität der Position entscheidet.

Beim Unterarmstütz sollten die Rippen nicht nach vorne aufklappen. Das Becken darf nicht absinken. Die Gesäßmuskulatur bleibt aktiv, ohne dass der Körper in eine starre Ganzkörperspannung gezwungen wird. Wer nach zehn bis zwanzig Sekunden die Kontrolle verliert, beendet den Satz. Ein sauberer kurzer Plank bringt mehr als eine lange Demonstration des Durchhaltewillens.

Der Plank bei Hohlkreuz eignet sich besonders dann, wenn die Person gelernt hat, die Beckenkippung auch unter Belastung zu halten. Für Anfänger kann ein erhöhter Plank an einer Bank oder an der Wand die bessere Variante sein. Weniger Last bedeutet hier nicht weniger Anspruch. Es bedeutet, dass die richtige Bewegung überhaupt stattfinden kann.

Ausfallschritt mit aktivem Gesäß

Der Ausfallschritt trainiert nicht nur Beine. Er fordert die Kontrolle von Fuß, Knie, Hüfte und Becken. Bei einer ausgeprägten anterioren Beckenkippung sollte die hintere Hüfte in eine kontrollierte Streckung kommen, ohne dass der Rücken ausweicht.

Das hintere Gesäß wird angespannt, der Brustkorb bleibt über dem Becken, und die Bewegung bleibt so klein, dass die Position gehalten werden kann. Wer im Ausfallschritt sofort ins Hohlkreuz fällt, braucht nicht mehr Gewicht. Er braucht weniger Gewicht und mehr Kontrolle. Das ist für manche Trainingspläne eine unangenehme Nachricht, aber eine nützliche.

Dehnen und Kräftigen müssen zusammenpassen

Nur Dehnen reicht selten. Nur Kräftigen ebenfalls. Ein verkürzter oder überaktiver Hüftbeuger wird nicht dadurch unproblematisch, dass daneben ein paar Bauchübungen absolviert werden. Umgekehrt kann eine gute Beweglichkeit ungenutzt bleiben, wenn die Muskulatur das Becken in der neuen Position nicht halten kann.

Eine vernünftige Kombination besteht aus drei Bausteinen:

  • Beweglichkeit der Hüftstrecker verbessern: Der Hüftbeuger erhält regelmäßig einen kontrollierten Dehnreiz. Dabei bleibt das Becken unter Kontrolle.
  • Gesäß und Bauchmuskulatur funktionell kräftigen: Nicht isolierte Wiederholungen um jeden Preis, sondern Übungen mit sauberer Rumpfposition.
  • Die Haltung in Alltagsbewegungen übertragen: Aufstehen, Treppensteigen, Heben, Gehen und langes Sitzen sind Teil des Trainingsproblems.

Gerade der dritte Punkt wird gern vergessen. Eine Person kann auf der Matte eine gute Beckenkippung ausführen und beim Aufstehen trotzdem sofort in die alte Position zurückfallen. Der Körper übernimmt im Alltag bevorzugt das Muster, das am wenigsten Aufmerksamkeit kostet. Deshalb muss die neue Kontrolle unter realistischen Bedingungen geübt werden.

Das heißt nicht, dass man den ganzen Tag mit eingezogenem Bauch und militärisch zurückgezogenen Schultern herumlaufen soll. Eine starre Haltung ist keine gesunde Haltung. Wir wollen Belastung verteilen können, nicht einen Körper in eine künstliche Position betonieren.

Ein praktikabler Trainingsrahmen

Für viele Menschen reichen zunächst zwei bis drei Einheiten pro Woche. Die einzelne Einheit muss nicht lang sein. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit und die richtige Dosierung.

Ein möglicher Aufbau sieht so aus:

TrainingsabschnittInhaltZiel
VorbereitungBeckenkippung in Rückenlage, ruhige AtmungPosition des Beckens wahrnehmen und steuern
BeweglichkeitHüftbeugerdehnung 20–40 Sekunden, später bis 40–60 Sekunden pro SeiteZugspannung an der Vorderseite der Hüfte reduzieren
KraftGlute Bridge, Dead Bug, erhöhter PlankRumpf und Gesäß in neutraler Beckenstellung belasten
ÜbertragungAusfallschritt, kontrolliertes Aufstehen, GehenBewegungskontrolle in alltagsnahen Situationen nutzen

Die Belastung steigt erst dann, wenn die Position stabil bleibt. Mehr Wiederholungen, längere Haltezeiten oder zusätzliches Gewicht sind nur sinnvoll, wenn die Bewegung nicht aus dem unteren Rücken kompensiert wird.

Ein einfacher Prüfstein: Können Sie während der Übung noch ruhig atmen? Wenn nicht, ist die Spannung wahrscheinlich zu hoch oder die Position schlecht gewählt. Rumpfstabilität bedeutet nicht, dass der Brustkorb komplett einfriert. Der Körper muss stabil und zugleich beweglich bleiben.

Wie lange dauert es, ein Hohlkreuz wegzutrainieren?

Die ersten spürbaren Verbesserungen können bei regelmäßigem Training nach etwa drei bis vier Wochen auftreten. Das betrifft meist die Körperwahrnehmung, die Beweglichkeit und die Fähigkeit, das Becken bewusster zu kontrollieren. Eine dauerhafte Veränderung der Beckenstellung braucht deutlich länger. Realistisch sind etwa zwei bis vier Monate, abhängig von Ausgangslage, Trainingshäufigkeit, Alltagsbelastung und Ursache.

Das ist keine Garantie und kein Countdown. Ein Hohlkreuz ist kein einzelner Muskel, den man abschaltet. Es handelt sich um ein Bewegungsmuster, das sich über viele Wochen, Monate oder Jahre entwickelt haben kann. Der Körper braucht Zeit, um eine neue Lastverteilung als normal zu akzeptieren.

Wer zwei Wochen trainiert und danach jeden Tag viele Stunden sitzt, darf keine Wunder erwarten. Das Problem ist dann nicht fehlende Willenskraft. Das Problem ist eine widersprüchliche Belastungssteuerung. Die Übung dauert wenige Minuten. Der Alltag liefert den restlichen Reiz.

Deshalb helfen kleine Anpassungen:

1. Sitzzeiten unterbrechen.

Mehrmals am Tag kurz aufstehen, einige Schritte gehen und die Hüfte strecken. Das ist keine vollständige Therapie, aber eine sinnvolle Unterbrechung.

2. Beim Stehen nicht ins Becken hängen.

Viele stehen mit nach vorne geschobenem Becken und passivem Gesäß. Die Knie werden durchgedrückt, der Rücken übernimmt die Stabilisierung.

3. Beim Heben aus der Hüfte arbeiten.

Die Last bleibt nah am Körper. Das Becken bewegt sich kontrolliert, statt dass die Lendenwirbelsäule die gesamte Aufgabe übernimmt.

4. Training nicht nach Muskelkater bewerten.

Muskelkater im Bauch beweist nicht, dass die Haltung besser wird. Eine bessere Kontrolle ist das relevantere Ergebnis.

5. Schmerzverhalten beobachten.

Beschwerden während oder nach dem Training sollten nicht einfach ignoriert werden. Entscheidend sind Verlauf, Intensität und die Reaktion am Folgetag.

Wann Übungen nicht die ganze Antwort sind

Nicht jedes Hohlkreuz ist rein funktionell. Strukturelle Veränderungen, eine ausgeprägte Wirbelsäulenproblematik oder ein Wirbelgleiten lassen sich nicht zuverlässig mit Heimübungen beurteilen. Auch neurologische Symptome gehören nicht in die Kategorie Selbstoptimierung.

Eine physiotherapeutische oder ärztliche Abklärung ist besonders sinnvoll bei:

  • ausstrahlenden Schmerzen in Gesäß oder Bein,
  • Taubheitsgefühlen oder Kribbeln,
  • deutlichem Kraftverlust,
  • Problemen mit Blase oder Darm,
  • nächtlich zunehmenden oder ungewöhnlich starken Schmerzen,
  • einem Hohlkreuz, das sich trotz konsequenter Anpassung nicht verändern lässt.

Red Flags sind kein Grund für Panik. Sie sind ein Grund, die Ursache sauber abzuklären. Wer bei neurologischen Symptomen einfach die Plank-Dauer verdoppelt, betreibt keine Prävention, sondern Würfelpoker mit der eigenen Belastbarkeit.

Auch bei wiederkehrenden Beschwerden ohne klare Warnzeichen kann eine Untersuchung Zeit sparen. Ein Physiotherapeut kann prüfen, ob tatsächlich eine eingeschränkte Hüftstreckung, eine fehlende Rumpfkontrolle oder eine andere Bewegungsstrategie im Vordergrund steht. Danach lässt sich das Training genauer dosieren. Das ist effizienter als zwölf Übungen aus dem Internet gleichzeitig zu beginnen und anschließend nicht zu wissen, welche davon die Beschwerden ausgelöst hat.

Die eigentliche Lehre aus dem Fehlversuch

Das klassische Bauchmuskelprogramm scheitert beim Hohlkreuz nicht, weil Bauchtraining grundsätzlich falsch wäre. Es scheitert, wenn die Übung die entscheidende Fähigkeit nicht trainiert: das Becken in einer belastbaren Position zu kontrollieren.

Die sinnvollere Reihenfolge lautet:

  • erst Beckenkontrolle lernen,
  • dann die Hüftbeugerbeweglichkeit verbessern,
  • anschließend Gesäß und Rumpf kräftigen,
  • danach die Belastung in Plank, Ausfallschritt und Alltag übertragen.

Crunches können in bestimmten Trainingsplänen ihren Platz haben. Sie sind aber kein Pflichtprogramm und schon gar keine automatische Lösung für eine Hyperlordose. Wer beim Training dauerhaft ins Hohlkreuz ausweicht, sollte die Übung vereinfachen oder ersetzen. Das Ziel ist nicht, eine möglichst beeindruckende Wiederholungszahl zu sammeln. Das Ziel ist eine Wirbelsäule, die Belastung verteilen kann, während das Becken beweglich und kontrollierbar bleibt.

Ein funktionelles Hohlkreuz lässt sich häufig verbessern. Aber nicht durch blinden Aktionismus. Der Körper braucht einen klaren Reiz, eine passende Dosierung und etwas Geduld. Drei Wochen reichen oft für den ersten Unterschied. Zwei bis vier Monate sind ein realistischerer Rahmen für eine dauerhafte Anpassung.

Und wenn eine Übung vor allem den unteren Rücken spüren lässt, ist die Antwort nicht automatisch: noch mehr davon. Manchmal ist die fachlich sauberste Trainingsentscheidung, eine beliebte Übung einfach wegzulassen.

Häufige Fragen

Warum helfen Crunches bei einem Hohlkreuz oft nicht?
Viele Menschen führen Crunches mit einem nach vorne gekippten Becken aus, wodurch der untere Rücken im Hohlkreuz bleibt. Anstatt die Rumpfkontrolle zu verbessern, wird so das ungünstige Bewegungsmuster trainiert.
Wie lässt sich ein verkürzter Hüftbeuger effektiv dehnen?
Eine geeignete Methode ist der halbe Kniestand, bei dem das Becken aktiv nach hinten gekippt und das Gesäß angespannt wird, bevor der Körper vorsichtig nach vorne verlagert wird. Die Dehnung sollte 20 bis 60 Sekunden gehalten werden, ohne dabei in ein Hohlkreuz auszuweichen.
Welche Übungen eignen sich zur Verbesserung der Beckenkontrolle?
Geeignet sind kontrollierte Bewegungen wie der Dead Bug, die Glute Bridge mit aktiver Gesäßspannung oder ein sauber ausgeführter Plank. Entscheidend ist dabei, dass die Lendenwirbelsäule in einer neutralen Position bleibt.
Wann sollte ein Arzt oder Physiotherapeut aufgesucht werden?
Eine fachliche Abklärung ist bei neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen, Kribbeln oder ausstrahlenden Schmerzen in Beine und Gesäß notwendig. Auch bei deutlichem Kraftverlust oder einem Hohlkreuz, das sich trotz konsequentem Training nicht verändert, ist ärztlicher Rat sinnvoll.
Wie lange dauert es, ein Hohlkreuz wegzutrainieren?
Erste Verbesserungen der Körperwahrnehmung treten meist nach drei bis vier Wochen ein. Für eine dauerhafte Anpassung des Bewegungsmusters ist ein Zeitraum von zwei bis vier Monaten realistisch.