Robotergestütztes Gangtraining: Wie Rise & Walk die neurologische Rehabilitation verändert
Ein Bericht von WNEP aus Wilkes-Barre, Pennsylvania: Allied Services hat „Rise & Walk" vorgestellt, ein robotergestütztes Gangtrainingsgerät für Patienten mit neurologischen Erkrankungen…
Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 19. September 2026

Ein Bericht von WNEP aus Wilkes-Barre, Pennsylvania: Allied Services hat „Rise & Walk" vorgestellt, ein robotergestütztes Gangtrainingsgerät für Patienten mit neurologischen Erkrankungen, Verletzungen und Mobilitätseinschränkungen – Kinder wie Erwachsene. Patienten werden in einen Gurt geschnallt, das Gerät übernimmt Gewichtsentlastung und Gehmechanik, der Therapeut wählt aus mehreren Modi, wie viel Unterstützung jeweils nötig ist. Klingt nach dem Heiligen Gral der Reha – längeres Training, weniger Personal, höhere Intensität. Die Frage ist nur: für wen, und zu welchem Preis.
Was das Gerät tatsächlich leistet
Die Physiotherapeutin Rosa Bartoletti, die das System in Wilkes-Barre einsetzt, beschreibt im Bericht von Fox56 den konkreten Effekt aus der Praxis: Patienten schaffen am Gerät längere eigenständige Trainingseinheiten als am Boden, weil die Maschine das Gewicht trägt und der Therapeut weniger körperlich nachhelfen muss. Das ermöglicht deutlich mehr Wiederholungen pro Sitzung – genau die Dosis, die in der neurologischen Reha über Erfolg oder Stillstand entscheidet. Die Maschine bietet verschiedene Modi, je nachdem wie viel der Roboter übernimmt und wie intensiv trainiert wird. Zusätzlich reduziert sich der Personalaufwand pro Einheit – ein Argument, das in den USA ökonomisch verfängt. Die Vorstellung fällt zeitlich mit dem 50-jährigen Jubiläum der National Rehabilitation Week zusammen, die Allied Services 1976 in Scranton ins Leben gerufen hat.
Warum uns das hier interessieren muss
Nur wenige dieser Systeme sind aktuell in den USA im Einsatz, wie der Bericht betont. Bei uns reden wir über Heilmittelverordnungen mit sechs Einheiten und einer Behandlungszeit, in der wir froh sind, wenn Aufstehen, Gehen und ein paar Kräftigungsübungen überhaupt stattfinden. Von Robotik sind wir Lichtjahre entfernt. Trotzdem: Die Evidenz hinter High-Intensity Gait Training ist solide, und ein Gerät, das uns Repetitionen liefert, ohne dass wir Therapeuten dabei selbst zum Hilfsmittel werden, ist eine ernsthafte Option. Nicht morgen, nicht in der kleinen Praxis um die Ecke, aber perspektivisch auf dem Radar. Bis dahin bleiben uns Verhandlungen mit den Kassen, ehrliches Belastungstoleranz-Training und die nüchterne Einsicht: Technik ist kein Ersatz für klinisches Denken – sie ist Werkzeug, und Werkzeuge müssen wir uns leisten können. Genau das ist die nächste Baustelle.