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Eine Kolumne von Jörn Röttger

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Physiotherapie in der Schwangerschaft: Warum gezielte Bewegung statt Schonung zählt

Sanjana Venkataraman, laut Free Press Journal auf Frauengesundheit spezialisiert, bringt es auf den Punkt: Schwangerschaft wird in vielen Köpfen noch immer wie ein Zustand behandelt, der Ruhe statt…

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 11. September 2026

Physiotherapie in der Schwangerschaft: Warum gezielte Bewegung statt Schonung zählt

angerschaft ist kein Krankheitsfall, den man aussitzen darf

Wenn eine indische Kollegin in einem Interview erklärt, dass Frauenheilkunde in der Physiotherapie immer noch ein Nischendasein führt, horche ich auf. Dr. Sanjana Venkataraman, laut Free Press Journal auf Frauengesundheit spezialisiert, bringt es auf den Punkt: Schwangerschaft wird in vielen Köpfen noch immer wie ein Zustand behandelt, der Ruhe statt Belastungstoleranz verlangt. Genau diese Haltung sehen wir hier täglich - nur reden wir seltener darüber.

Was wirklich zählt - Trimester für Trimester

Venkataraman differenziert klar: Erstes Drittel, keine intensive Belastung, aber auch kein Stillstand. Atemübungen, sanfte Mobilisation, Parasympathikus-Aktivierung. Ab Monat vier oder fünf können beschwerdefreie Frauen unter fachlicher Anleitung dosiert trainieren - angepasst an Beckenbodenstatus, Bauchwand und kardiovaskuläre Reserve. Familien und Frauen selbst, so die Kollegin, bremsen häufig aus Angst, weil Aufklärung fehlt. Wir kennen das. Die Frage "Darf ich das überhaupt?" höre ich in der Schwangerschaftsberatung öfter als jede andere.

Die häufigsten Folgeprobleme, die Venkataraman benennt, kennen wir aus dem Praxisalltag: Inkontinenz nach Spontangeburt und ein Abdomen, das nicht in seinen Ausgangszustand zurückfindet. Beides ist kein Schicksal. Beides ist behandelbar - und zwar deutlich besser, bevor die Rektusdiastase drei Finger breit klafft oder die erste Stressinkontinenz beim Niesen den Alltag bestimmt.

Präpartal statt postpartal reparieren

Venkataraman spricht sich dafür aus, dass Frauen bereits vor einer geplanten Schwangerschaft physiotherapeutisch gesehen werden. Screening der Belastungstoleranz, Abklärung von Red Flags, ein realistischer Bewegungsplan. Das ist genau das, was Heilmittelverordnungen in Deutschland strukturell kaum abdecken - und genau das, was wir Therapeuten in einer präpartalen Sprechstunde leisten können, wenn Ärzte und Kostenträger mitspielen.

Der World PT Day am 8. September, in diesem Jahr mit offiziellem Toolkit von World Physiotherapy zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfallreha, ist ein willkommener Aufhänger, das Thema Frauengesundheit daneben nicht untergehen zu lassen. Beide Felder verdienen mehr Sichtbarkeit. Schwangerschaft und Geburt sind keine Esoterik, keine Wellness und kein Lifestyle-Thema. Das ist klinische Biomechanik mit hoher Patientenlast und noch höherem Hebel - wenn wir früh genug drankommen.