Experts emphasize upon the need for regular physical activity on the occasion of World Physiotherapy Day, at
Bewegung ist die billigste Medizin, die wir haben. Nur nimmt sie kaum jemand konsequent ein. Zum Weltphysiotherapietag am 8.
Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 09. September 2026

September haben Kolleginnen und Kollegen weltweit einmal mehr genau darauf hingewiesen – und die Botschaft fällt dieses Jahr besonders deutlich aus.
Der Termin und sein Schwerpunkt
Wie mehrere internationale Medien berichten, steht der Welttag der Physiotherapie 2026 im Zeichen kardiovaskulärer Erkrankungen und Schlaganfall. Eine größere Paneldiskussion an einer Universität in Noida, Indien, versammelte Expertinnen und Experten aus verschiedenen Kliniken der Region, um über Prävention, Management und Rehabilitation zu sprechen. Kern der Veranstaltung: regelmäßige körperliche Aktivität zählt zu den wirksamsten Mitteln, um Krankheiten vorzubeugen und die Gesundheit zu erhalten. Bewegung wirke wie ein natürliches Medikament, stärke den Körper, verbessere die Immunität und senke das Risiko lebensstilbedingter Erkrankungen, fasste ein Panelteilnehmer den Konsens zusammen. Empfohlen wurden mindestens 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, kombiniert mit gesunder Ernährung, Stressmanagement und regelmäßigen Kontrolluntersuchungen.
Was mich daran am meisten stört
Die Kolleginnen und Kollegen haben absolut recht. Aber wir sollten uns nichts vormachen: Diese Botschaft hören meine Patientinnen und Patienten seit Jahren – und es ändert sich wenig. Parallel zur Paneldiskussion greift ein Beitrag aus Indien ein Thema auf, das mich in jeder Schicht beschäftigt: das stundenlange Sitzen. Immer häufiger kommen Patientinnen und Patienten Anfang 20, Anfang 30 mit Nacken-, Schulter- und Rückenschmerzen in unsere Praxis – Beschwerden, die früher eher zur Generation 60 plus gehörten. Die Ursache liegt fast nie in einem konkreten Trauma. Es ist das Dauersitzen, die starre Haltung, fehlende Variation. Über Stunden geraten Muskulatur und Gelenke unter anhaltende Belastung, die tiefen Stabilisatoren der Wirbelsäule werden schwächer, die Beweglichkeit sinkt, Bewegungsmuster verändern sich.
Eine Physiotherapeutin aus dem Beitrag bringt es auf den Punkt: Eine perfekte Sitzposition reicht nicht. Wer den ganzen Tag still sitzt, sitzt schlicht zu lange. Wirksamer als jeder neue Bürostuhl sei der regelmäßige Positionswechsel, Aufstehen, Gehen, die Gelenke mobilisieren.
Was ich daraus für die Praxis mitnehme
Drei Dinge, die ich in dieser Woche mit jedem Patienten durchgehe:
- Dosis statt Dogma. 20 bis 30 Minuten Bewegung täglich reichen oft schon. Wichtiger als die Idealübung ist die Belastungstoleranz der jeweiligen Person. Red Flags zuerst prüfen, dann den Plan bauen.
- Befund vor Bewegung. Bevor ich irgendeine Übung verordne, teste ich Beweglichkeit, Kraft, Bewegungsmuster und Arbeitssituation. Nicht jede Übung passt zu jedem Patienten – das schreiben die indischen Kolleginnen, und ich unterschreibe das sofort.
- Haltung ist ein Prozess, kein Foto. Sitzpausen, Mikro-Bewegungen, Positionswechsel im Arbeitsalltag schlagen jeden noch so teuren ergonomischen Stuhl.
Die Pharmakologie ist nicht unser Feind, aber die beste Pille wirkt nur halb so gut wie regelmäßige Bewegung. Genau das betonen die Kolleginnen und Kollegen am 8. September. Ich kann mich nur anschließen – und es morgen in der Praxis wiederholen. Wahrscheinlich zum hundertsten Mal.