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Starker Rücken, freie Bewegung, jeden Tag.

Eine Kolumne von Jörn Röttger

Meldung

Warum das Sprunggelenk der Schlüssel zur Linderung chronischer Rückenschmerzen ist

Wie das US-Portal TODAY.com berichtet, litten 2023 weltweit 619 Millionen Menschen an Kreuzschmerzen – bis 2050 sollen es laut einer aktuellen Studie 843 Millionen sein. Die Lösung klingt absurd einfach: nicht den Rücken trainieren, sondern das Sprunggelenk.

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 15. September 2026

Warum das Sprunggelenk der Schlüssel zur Linderung chronischer Rückenschmerzen ist

Die zitierte Physiotherapeutin Karena Wu empfiehlt genau das. Und ehrlich gesagt: Die Biomechanik dahinter kenne ich aus jeder zweiten Behandlung.

Warum ausgerechnet das Sprunggelenk?

Weil der Körper eine kinematische Kette ist – und das obere Sprunggelenk sitzt am unteren Ende. Ist die Dorsalextension eingeschränkt, kompensiert die Lendenwirbelsäule. Die Patienten landen in einer anterioren Beckenkippung, die lumbale Hyperlordose nimmt zu, die tiefen Rückenstrecker arbeiten unter Dauerlast. Klingt vertraut? Sollte es.

Wer die Beweglichkeit im Sprunggelenk verbessert, entlastet die Lendenwirbelsäule – so der klare Tenor des Beitrags. Wu bringt es auf den Punkt: mobilisierte Fußwurzelknochen, mehr Flexibilität in den umliegenden Weichteilen, bessere Unterstützung der aufwärts laufenden Muskelschlingen. Logisch. Und klinisch relevant für jeden, der regelmäßig LWS-Patienten auf der Bank hat.

Die Übung: kein Hexenwerk

Schrittstellung, hüftbreit. Hinterer Fuß bleibt mit der Ferse am Boden. Dann das vordere Knie kontrolliert nach vorne über die Zehen schieben – etwa zehn Zentimeter. Das war's. Kein Equipment, kein Studio, keine Ausrede. Funktioniert in der Praxis, funktioniert daheim als Hausaufgabe.

Mobilisiert die Fußwurzel, bringt Flexibilität in Wade und Faszien, entlastet die lumbale Muskulatur. Und ja: das Sturzrisiko sinkt gleich mit – ein Nebeneffekt, den ich älteren Patienten gerne mitgebe.

Was ich daraus mitnehme

Wir Therapeuten verschreiben Rückenübungen, bis der Heilmittelkatalog qualmt. Dabei übersehen wir regelmäßig das Offensichtliche: Ein blockiertes Sprunggelenk ist bei chronischen LWS-Patienten häufig der erste Verdächtige – noch vor der Hüfte, noch vor der Bauchmuskulatur. Mein Quick Win für den Alltag: OSG-Mobilität als Standard-Screening in jeder Erstuntersuchung. Drei Minuten, null Rezeptposition, ehrliche Befunde.

Wer dann noch weiterbohrt – Glutealfunktion, thorakolumbaler Übergang, Atemmuster – hat am Ende tatsächlich einen Patienten mit Ursache statt Symptom. Die Evidenz spricht für sich. Die Praxis erst recht.