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Eine Kolumne von Jörn Röttger

Meldung

Fachkräftemangel in der Therapie: Was wir von Kanadas pragmatischer Ausbildungsoffensive lernen

Wie WestCentralOnline meldet, hat die kanadische Provinz Saskatchewan ihre ersten Studierenden in zwei neuen Programmen begrüßt — Ergotherapie und Sprachpathologie.

Jörn Röttger, Physiotherapeut und Experte für evidenzbasierte Praxis·aktualisiert 03. September 2026

Fachkräftemangel in der Therapie: Was wir von Kanadas pragmatischer Ausbildungsoffensive lernen

Klingt erstmal weit weg. Hat aber einen direkten Bezug zu unserem Alltag in der Praxis, und zwar nicht, weil uns die kanadische Versorgungslage etwas angeht, sondern weil die Logik dahinter auch bei uns funktionieren würde.

Wer ausbildet, gewinnt

Saskatchewan reagiert mit dem, was eigentlich logisch ist: Versorgungsengpässe löst man nicht mit Sonntagsreden, sondern mit konkreten Ausbildungsplätzen vor Ort. Wer Ergotherapie oder Sprachpathologie studieren wollte, musste die Provinz bisher offenbar verlassen. Jetzt gibt es laut WestCentralOnline eigene Programme, und die ersten Kohorten sind eingestiegen. Wie viele Plätze, wer die Träger sind und wie das Curriculum aussieht — die verfügbare Meldung schweigt sich dazu aus. Genau diese Details wären spannend.

Was wir davon mitnehmen können

Wir Therapeuten in Deutschland kennen die Situation: chronischer Nachwuchsmangel, lange Wartezeiten für Patienten, offene Stellen in den Praxen. Während wir hier über Modellvorhaben, Berufsgesetznovellen und Akademisierungsdebatten diskutieren, handeln andere offenbar pragmatischer — sie schaffen schlicht die Strukturen, die gebraucht werden. Akademische Ausbildung ist kein Selbstzweck, sondern Mittel zum Zweck. Wer ernsthaft versorgen will, muss vor allem ausbilden. Punkt.

Was bleibt zu beobachten

Die Meldung ist ein Anfang, mehr nicht. Entscheidend wird sein, ob die Absolventen tatsächlich in der Versorgung ankommen, ob sie in der Provinz bleiben und ob sich Wartezeiten und Patientenoutcomes messbar verändern. Solche Programme lohnen sich nur, wenn am Ende jemand am Patienten arbeitet — und das lässt sich seriös erst beurteilen, wenn die ersten Jahrgänge durch sind. Bis dahin bleibt uns Therapeuten vor allem eines: genau hinschauen, was andere Systeme anders machen — und ehrlich prüfen, warum wir es hier nicht längst genauso tun.